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Veröffentlicht am: Out of the box

35. Was Vereinsleben über Zusammenhalt verrät

Lesezeit: 5 Min.

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Markus Geisler
Steuerberater, Perspektivenwechsler und Visionär – bietet innovative Lösungen und entwickelt nachhaltige Strategien für Wachstum und Erfolg.

 

Ich glaube, wir unterschätzen manchmal, wie wichtig Vereine für Menschen wirklich sind.

Von außen sieht man oft nur das Offensichtliche. Ein Training, ein Hobby, ein Bewerb, ein Auftritt oder ein paar Stunden Bewegung in der Woche. Aber in Wahrheit passiert dort viel mehr. Ein Verein ist ein sozialer Raum. Für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Ein Ort, an dem man Gemeinschaft erlebt, Kontakte aufbaut, Freundschaften schließt und lernt, mit anderen Menschen umzugehen. Und genau das ist heute unglaublich wertvoll.

Wir leben in einer Zeit, in der vieles digitaler, schneller und individueller geworden ist. Kinder verbringen viel Zeit am Handy. Erwachsene verschwinden nach der Arbeit oft in ihrem eigenen Alltag. Vieles ist bequem abrufbar, aber nicht mehr automatisch gemeinschaftlich.

Ein Verein ist da ein wichtiger Gegenpol. Dort geht es nicht um Wischen, Klicken oder Konsumieren.
Dort geht es ums Dabeisein, ums Mitmachen, ums Üben, ums Zuhören, ums Rücksichtnehmen und ums gemeinsame Weiterkommen.

Meine Kinder Emilio und Viola sind seit ungefähr einem Jahr beim Tanzsportclub 1. TTK Gold Weiß Innsbruck. Und ich merke, wie sehr sie dieses Vereinsleben leben und lieben.

Es ist nicht nur das Tanzen selbst. Es ist das ganze Rundherum. Das gemeinsame Training, die anderen Kinder, die Trainerinnen und Trainer, die Turniere, die Vorbereitung, das Anfeuern, das Mitfiebern und das Gefühl, ein Teil davon zu sein.

Aber das gilt nicht nur für Kinder.
Auch Erwachsene brauchen solche Orte.

Orte, an denen man nicht nur Beruf, Rolle, Leistung oder Verpflichtung ist. Sondern Teil einer Gemeinschaft. Wo man Menschen trifft, gemeinsam etwas macht, Verantwortung übernimmt und merkt, dass Zusammenhalt nicht einfach entsteht, sondern gelebt werden muss.

Gerade beim Tanzsport sieht man sehr schön, was Vereinsarbeit ausmachen kann. Kinder lernen dort nicht nur Schritte, Takt und Haltung. Erwachsene erleben dort nicht nur Bewegung und Ausgleich. Alle lernen dort Zusammenhalt, Disziplin, Verantwortung und den Umgang mit Erfolg und Enttäuschung.

Nicht jedes Kind muss sofort gewinnen. Nicht jeder Erwachsene muss perfekt sein. Nicht jeder muss Turniere tanzen oder im Mittelpunkt stehen. Aber jeder kann lernen, regelmäßig zu kommen, sich einzubringen und gemeinsam mit anderen besser zu werden. Auch Konflikte gehören dazu. Es gibt Missverständnisse, Frust, Enttäuschungen oder Tage, an denen nichts gelingt. Aber genau dort lernt man, dass Konflikte nicht das Ende von Gemeinschaft sind. Man kann reden, sich entschuldigen, weitermachen und an sich arbeiten.

Das sind Fähigkeiten, die Kinder brauchen. Und Erwachsene genauso.

Was ich an Vereinen besonders schätze, ist auch das Ehrenamt im Hintergrund. Vieles, was selbstverständlich wirkt, passiert nur, weil Menschen Zeit investieren. Weil Trainer da sind. Weil Funktionäre organisieren. Weil Eltern fahren. Weil jemand aufsperrt, plant, vorbereitet und Verantwortung übernimmt. Vereine leben nicht von schönen Konzepten. Vereine leben von Menschen, die etwas tun.

Und genau hier beginnt für mich der Out of the Bubble Gedanke.

Denn was man in einem Verein beobachten kann, gilt im Grunde auch für Unternehmen, Teams und Kanzleien. Zusammenhalt entsteht nicht durch ein Leitbild. Gemeinschaft entsteht nicht durch eine schöne Präsentation. Verantwortung entsteht nicht durch eine Stellenbeschreibung. Kultur entsteht nicht durch Worte. Sie entsteht durch tägliches Tun.

Durch Menschen, die sich einbringen.
Durch Menschen, die Verantwortung übernehmen.
Durch Menschen, die andere mitnehmen.
Durch Menschen, die auch dann da sind, wenn es nicht nur angenehm ist.

Im Verein sieht man das oft viel klarer als im beruflichen Alltag. Dort wird nicht lange darüber gesprochen, wie Gemeinschaft funktionieren soll. Es passiert einfach. Jemand hilft mit. Jemand feuert an. Jemand tröstet. Jemand organisiert. Jemand übernimmt eine Aufgabe, obwohl es niemand groß sieht. Vielleicht sollten wir in Unternehmen und Kanzleien manchmal genauer auf das schauen, was im Vereinsleben selbstverständlich ist.

Nicht nur auf Leistung und Ergebnisse. Sondern auch auf Entwicklung, Zusammenhalt und Menschen.

Für Emilio und Viola ist der Tanzsportclub in diesem einen Jahr viel mehr geworden als nur ein Hobby. Es ist ein Teil ihres Alltags geworden, ein Teil ihrer Entwicklung, ein Teil ihres Freundeskreises und ein Teil ihrer Freude. Und genau deshalb glaube ich: Vereine sind für Kinder, Jugendliche und Erwachsene viel wichtiger, als viele glauben.

Sie schaffen echte Gemeinschaft in einer Zeit, in der vieles digitaler und einsamer wird. Sie bringen Menschen zusammen, schaffen bildschirmfreie Zeit und zeigen, dass Verantwortung dort entsteht, wo man sich einbringt.

Menschen wachsen nicht durch Druck, Leistung und Erwartung. Menschen wachsen dort, wo sie sich zugehörig fühlen, Fehler machen dürfen und spüren, dass sie nicht allein sind.

Das gilt für Kinder im Verein.
Das gilt für Erwachsene im Verein.
Und es gilt genauso für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in einer Kanzlei.

Manchmal lernt man über Führung, Kultur und Entwicklung am meisten dort, wo man es gar nicht erwartet.

Denn dort wird Zusammenhalt nicht erklärt.
Dort wird er gelebt.

 

Bis bald
Euer Markus