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Veröffentlicht am: Out of the box

30. Verantwortung abgeben und trotzdem Chef bleiben

Lesezeit: 5 Min.

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Markus Geisler
Steuerberater, Perspektivenwechsler und Visionär – bietet innovative Lösungen und entwickelt nachhaltige Strategien für Wachstum und Erfolg.

 

Ganz ehrlich: Verantwortung abzugeben fühlt sich im ersten Moment nicht nach Stärke an. Es fühlt sich nach Risiko an. Nach dem leisen Gedanken im Hinterkopf, ob das wirklich genauso gemacht wird, wie man es machen würde. Ob die Qualität hält. Ob die Entscheidung passt. Oder ob man es am Ende eh wieder selbst erledigen muss. Und genau dieser Gedanke zeigt, wie sehr wir als Unternehmer noch im Operativen drinnenhängen.

Am Anfang ist das richtig. Da geht alles über einen einzigen Tisch. Jede Zahl, jeder Klient, jede größere Entscheidung. Das ist keine Kontrollsucht, das ist Aufbauarbeit. Ohne diese Phase gäbe es kein stabiles Fundament.

In der Gründungsphase lebt das Unternehmen von der Nähe des Chefs, von seiner Geschwindigkeit, von seinem Instinkt.
Aber irgendwann kippt es. Nicht dramatisch. Nicht mit einem Knall. Sondern schleichend.

Man merkt es nicht an der Bilanz. Man merkt es am eigenen Kalender. Wenn der Tag voll ist mit Kleinigkeiten. Wenn operative Themen strategische Fragen verdrängen. Wenn man am Abend müde ist, aber eigentlich nichts bewegt hat, was das Unternehmen wirklich weiterbringt. Dann muss man sich ehrlich fragen: Bin ich noch Unternehmer oder nur noch Problemlöser im eigenen Betrieb?

Der größte Irrtum ist zu glauben, der richtige Zeitpunkt zum Abgeben ist dann, wenn es nicht mehr anders geht. Wenn alles zu viel wird. Wenn man keine Luft mehr bekommt. Wenn man sich denkt: Jetzt muss es aber sein.

Nein! Der richtige Zeitpunkt ist früher. Genau dann, wenn man innerlich noch sagt: Es geht eh noch. Genau dort beginnt unternehmerische Reife. Weil Abgeben kein Notprogramm sein darf, sondern eine bewusste Entscheidung.

Verantwortung abgeben heißt nicht, weniger Chef zu sein. Es heißt, die Rolle zu verändern. Ich bleibe verantwortlich für Richtung, Prioritäten und Kultur. Ich entscheide, wohin wir wollen, welches Tempo wir gehen und welche Werte nicht verhandelbar sind. Aber ich muss nicht jede operative Entscheidung selbst treffen, nur um das Gefühl von Kontrolle zu behalten.

Und ja, Dinge werden anders gemacht. Vielleicht nicht so wie man es gewohnt bin. Vielleicht nicht mit selben Wortwahl oder Herangehensweise. Aber „anders“ heißt nicht schlechter. Das auszuhalten braucht Mut. Weil wir Unternehmer oft glauben, dass unsere Art die einzig richtige ist. Man hat es aufgebaut, man kennt jede Schraube, jede Zahl, jeden Prozess. Da loslassen fühlt sich fast so an, als würde man ein Stück Identität hergeben.

Aber seien wir ehrlich: Ein Unternehmen, das nur funktioniert, solange der Chef überall mitmischt, ist kein stabiles Unternehmen. Es ist ein System, das an einer Person hängt. Und das mag sich wichtig anfühlen, ist aber langfristig gefährlich.

Delegation ist kein Kontrollverlust. Kontrollverlust entsteht, wenn es keine klaren Zuständigkeiten gibt, wenn Erwartungen nicht ausgesprochen werden und wenn Ziele schwammig bleiben.

Verantwortung sauber zu übergeben ist anstrengender als alles selbst zu machen. Man muss klar formulieren, was man erwartet. Ergebnisse müssen definiert werden. Man muss Vertrauen geben – nicht blind, sondern strukturiert. Und man muss akzeptieren, dass nicht jede Lösung seine eigene Handschrift trägt.

Der unangenehme Gedanke dahinter ist oft ein ganz anderer: Wenn ich alles selbst mache, bin ich unersetzbar. Wenn ich Verantwortung abgebe, werde ich ersetzbar. Und genau das kratzt am Ego. Aber genau dort beginnt echtes Unternehmertum.

Ein Unternehmen darf nicht von der täglichen Präsenz des Chefs abhängen. Es muss funktionieren, auch wenn man einmal zwei Wochen nicht da ist. Nicht, weil man weniger arbeiten will, sondern weil die Aufgabe eine andere ist.

Strategie statt Dauer-Feuerwehr.
Weiterentwicklung statt Detailkontrolle.
Zukunft statt Tagesgeschäft.

Loslassen heißt nicht, weniger Verantwortung zu tragen. Es heißt, die richtige Verantwortung zu tragen. Und ja, das kostet Überwindung.

Aber wenn wir ehrlich sind: Wachstum entsteht nicht dadurch, dass wir alles festhalten.
Wachstum entsteht dadurch, dass wir Strukturen schaffen, die größer sind als wir selbst.

Und genau dort beginnt unternehmerische Freiheit.

Und ganz ehrlich: Auch ich habe diesen Prozess durchgemacht. Ich habe lernen müssen loszulassen, Vertrauen zu geben und nicht überall drinnenzuhängen. Es war nicht leicht. Aber es war richtig!

Nicht alles selber machen.
Aber alles im Blick behalten.

Servus, euer Markus