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Liebe Leserinnen und Leser,
Christian, ebenfalls Partner bei GHP Steuerberatung, ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich seinen Gastbeitrag hier bei Out of the bubble veröffentlichen würde. Ich habe zugesagt, weil es hier nicht um ein einzelnes Tool geht, sondern um eine reale Entwicklung: autonome KI-Systeme, die nicht mehr nur antworten, sondern eigenständig handeln. Er spricht die drei gefährlichen Illusionen offen an, macht klar, warum KI keine reine IT-Frage mehr ist, und zeigt das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Sicherheit. Ein Beitrag, der Klarheit bringt.
Bis zum nächsten Mal,
euer Markus
Ein Gastbeitrag von Christian Aigner:
Bei GHP blicken wir gerne über den Tellerrand der klassischen Steuerberatung hinaus. Mein Partner Markus und ich tauschen uns regelmäßig darüber aus, wie technologische Entwicklungen unsere Arbeitswelt und die unserer Mandanten fundamental verändern. Vor Kurzem hat mich ein Beitrag im Handelsblatt von Stephan Scheuer zu „Open Claw“ sehr zum Nachdenken angeregt. Es geht dabei um eine Entwicklung, die jede:n Geschäftsführer:in direkt betrifft: den rasanten Aufstieg autonomer KI-Systeme.
Was passiert eigentlich, wenn wir nicht mehr nur mit einer KI „chatten“, sondern wenn diese beginnt, eigenständig für uns zu handeln? Das System „Open Claw“ führt uns vor Augen, was möglich ist, wenn nahezu jede digitale Funktion mit künstlicher Intelligenz verknüpft wird. Für Führungskräfte ist das kein ferner Trend mehr – es ist eine Realität, mit der wir uns jetzt beschäftigen müssen, bevor andere Fakten schaffen.
Bevor wir über spezifische Tools sprechen, müssen wir mit drei gefährlichen Illusionen aufräumen:
1. Es geht nicht um ein einzelnes Produkt
Ob sich „Open Claw“ als Marke durchsetzt, ist zweitrangig. Entscheidend ist das Prinzip dahinter: Erst die jüngsten Qualitätssprünge bei Modellen von OpenAI, Google oder Anthropic ermöglichen es, dass KI dauerhaft mitläuft und eigenständig agiert. Wer hier nur ein einzelnes Start-up bewertet, verkennt den fundamentalen Umbruch.
2. KI ist keine reine IT-Angelegenheit mehr
Früher ließen sich Software-Fragen problemlos an die IT-Abteilung delegieren. Doch wenn Systeme beginnen, Arbeit vorzustrukturieren und damit aktiv in Entscheidungsprozesse einzugreifen, wird KI zur Chefsache. Hier geht es nicht mehr um die Auswahl eines Programms, sondern um unternehmerische Verantwortung, Kontrolle und Haftung.
3. Beobachten reicht nicht aus
Diese neue Generation der KI lässt sich nicht allein durch Berichte oder Präsentationen verstehen. Die wahre Wirkung erschließt sich erst im praktischen Umgang. Wer heute nur zuschaut, läuft Gefahr, morgen im Blindflug zu entscheiden.
Das Spannungsfeld: Sicherheit vs. Fortschritt
Natürlich dürfen wir nicht naiv sein. Es wäre fahrlässig, solche Systeme ungeprüft an interne Firmendaten zu lassen oder sie ohne Absicherung im Unternehmensnetzwerk zu testen. Das Spannungsfeld zwischen Autonomie und Sicherheit ist das zentrale Thema unserer Zeit.
Wer die Technik jedoch aus reiner Vorsicht pauschal blockiert, begeht einen strategischen Fehler. Cybersicherheit entscheidet nicht darüber, ob diese Systeme kommen, sondern wie verantwortungsvoll wir mit ihnen umgehen.
Mein Appell an die Geschäftsführung
Keine Geschäftsführung sollte solche Systeme heute schon produktiv einsetzen, ohne die Risiken genau zu kennen. Aber jeder Verantwortliche sollte sich jetzt selbst ein Bild davon machen. Testen bedeutet in diesem Kontext nicht „einführen“, sondern „verstehen“.
Wer später über Regeln und Grenzen im eigenen Unternehmen entscheiden will, muss heute wissen, was technisch machbar ist. Diese Beurteilung lässt sich nicht vollständig delegieren. Wegsehen reduziert keine Risiken – eine gute Vorbereitung hingegen schon.
Probieren Sie es aus. Heute.
Herzlichst,
Ihr Christian Aigner

