Links überspringen
Veröffentlicht am: Out of the box

26. Postamt-Schalter Haltung?

Lesezeit: 5 Min.

Autorenfoto

Markus Geisler
Steuerberater, Perspektivenwechsler und Visionär – bietet innovative Lösungen und entwickelt nachhaltige Strategien für Wachstum und Erfolg.

Reden wir wieder mal Tacheles. Heute möchte ich einen Appell an unsere Branche aussenden. Denn viele glauben immer noch, Steuerberatung sei ein Postamt-Schalter: Der Mandant fragt, der Berater antwortet. Punkt.

Aber so funktioniert das heute nicht mehr.

Wer nur reagiert, hat längst verloren. Und zwar an Systeme, Software und KI. Ja, und so geht es gerade nicht nur unserer Branche, sondern vielen, die es noch nicht verstanden haben, dass der Kunde eine Steakholder-Leistung von uns erhält.

Das Problem ist hausgemacht. In unzähligen Kanzleien wird brav gearbeitet, gebucht, abgegeben – doch nicht mit dem Kunden mitgelebt und mitgedacht. Kein Blick über den Tellerrand, keine Lust auf MITgestaltung. Es herrscht Postamt-Mentalität. Ein Aktenlauf nach dem anderen. Fristen, Fristen, Fristen. Und genau da liegt der Hund begraben: Während du noch abarbeitest, passiert draußen das Leben der BERATER und ServiceDIENSTleister.

Ich geb dir ein Beispiel. Eine Kundin verkauft ihre GmbH-Anteile. Vertrag längst unterschrieben, alles erledigt. Irgendwann im Jahresgespräch der Steuerberater (sorry, ich muss es so sagen!): „Hätt ich das vorher gewusst, hätten wir steuerlich was draus machen können.“

Ja, eh. Hätten wir. Holdingstruktur, Gestaltungsspielraum, … Alles möglich – wenn jemand NUR mit- und vorgedacht und geführt, also konkrete Fragen gestellt, hätte. Hätte hätte – … hat aber keiner!

Ergebnis: Steuervorteil weg. Vertrauen auch.
Mandant wechselt, weil er nicht vom Profi geführt wurde.

Das ist kein Einzelfall. Das ist System. In vielen Kanzleien fehlt die Beratungskultur komplett. Man arbeitet brav ab, aber keiner fragt, wohin der Mandant mit seinem Unternehmen eigentlich hin will – was seine Visionen sind – wie er sich verändern möchte, usw. Niemand interessiert sich für Ziele, Pläne oder Strategien. Und das ist brandgefährlich!

Denn Mandanten merken, ob du mitdenkst oder nur verwaltest. Sie spüren, ob du ein Erlediger bist oder ein Partner auf Augenhöhe, der für das Unternehmen seines Mandanten tickt, lebt und mitdenkt. Wer nur weiterhin Formulare ausfüllt, wird bald von Maschinen ersetzt. ACHTUNG! Doch wer Gestaltung liefert, bleibt unersetzbar.

Beratung heißt, Verantwortung zu übernehmen. Fragen zu stellen, Dinge anzusprechen, bevor sie der Mandant selbst anspricht. Und zuerst mal sich und seine Vorgehensweisen und Arbeitsläufe intern ehrlich zu hinterfragen – auch wenn’s unbequem ist, weil man erkennt, dass es so nicht weitergehen kann und wird.

Die NEUE ZEIT und Devise in deiner Kanzlei muss sein: nicht warten, bis jemand um Hilfe bittet, sondern Impulse geben, weil du’s kannst!

Und genau da trennt sich die Spreu vom Weizen. Die reaktiven Berater rackern sich ab und wundern sich, warum sie austauschbar sind. Die anderen gestalten Zukunft – für ihre Mandanten und für sich selbst.

Darum mein Appell: Hör auf zu warten. Frag. Misch dich ein. Schau hin. Sei unbequem, wenn’s sein muss. Denn Steuern sind schon längst kein Papierkram mehr, sondern ein Gestaltungsspielraum. Und wer den nutzt, macht aus Verwaltung echten Mehrwert.

BLEIB NICHT im Postamtmodus hängen.

Sei ein Möglichmacher!

Servus und bis dann,

euer SteuerBERATER Markus!