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Vor einiger Zeit kam eine neue Klientin zu mir. Sie hat sich kaum getraut, sich zu setzen.
„Ich hab Angst vor meinem Steuerberater“, hat sie gesagt. Ich musste zweimal hinhören und kurz innehalten. Angst? Wovor denn bitte? Und dann kam’s: Sie bekomme regelmäßig Rügen, werde behandelt, als wäre sie dumm, weil sie noch nicht die Umsätze macht, die man „in dieser Zeit“ am Markt haben sollte. Irgendwie ist mir das vorgekommen wie eine unsensible Aussage eines Arztes: „Sie haben Krebs – Sie sollten sich besser ernähren!“ … na danke, das braucht kein Mensch!
Ich sag’s euch frei von der Brust: So etwas macht mich sprachlos. Und wütend. Denn das ist leider kein Einzelfall. Es zeigt ein System, das auf Distanz, Druck und Überlegenheit basiert – anstatt auf Vertrauen, Klarheit und echter Beratung.
Liebe Kolleginnen und Kollegen: Wenn dein Mandant Angst vor dir hat, dann hast du nicht Kompetenz aufgebaut, sondern Macht. Und Macht ohne Bewusstsein ist gefährlich.
Wir Steuerberater:innen sind keine Richter:innen, keine Lehrer:innen, keine Besserwisser:innen.
Wir sind Menschenbegleiter:innen. Und das bedeutet: Wir holen andere aus ihrer Unsicherheit heraus – und führen sie nicht noch tiefer hinein. Wir nehmen ihnen Ängste durch Wissen ab und übernehmen eine klare Führung für sie. Hier geht es um klare, regelmäßige und ehrliche Kommunikation, aber doch bitte nicht um Angstmache!
Ich verstehe schon, dass viele Kolleg:innen gestresst sind, dass die Branche sich verändert, dass Digitalisierung, Bürokratie und Fachkräftemangel nerven. Aber das ist keine Entschuldigung dafür, Menschen klein zu machen, die uns ihr Vertrauen schenken und sich auf uns verlassen.
Ich arbeite nach einem anderen Prinzip: Ich will, dass meine Klient:innen verstehen, was sie tun – und warum. Ich will, dass sie sich rechtzeitig sicher fühlen, auch wenn sie noch nicht alles richtig machen. Ich will, dass sie wachsen können, weil sie wissen, dass jemand an ihrer Seite ist, der sie stärkt – nicht verunsichert. ICH MÖCHTE IHR LEITDFADEN SEIN – und an dem dürfen sie sich gerne festhalten und gleichzeitig ihren eigenständigen Weg gehen.
Und das beginnt mit Sprache. Nicht mit Fachbegriffen. Nicht mit Paragrafen. Sondern mit Haltung. Wenn du zu jemandem sagst: „Das hätten Sie doch wissen müssen“, erzeugst du Schuld. Wenn du aber sagst: „Lass uns gemeinsam schauen, wie wir das lösen können und für das nächste Mal besser machen“, erzeugst du Vertrauen.
Ich bin überzeugt: Die Steuerkanzlei der Zukunft ist kein Ort der Angst, sondern ein Ort des Lernens, des Dialogs und des Miteinanders. Das braucht Führung. Innere Führung. Denn wer Menschen führen will, muss zuerst sich selbst führen können. Und ja sicher – man kann auch das lernen. Kommunikation, Empathie, Beziehungskompetenz – all das gehört heute genauso zur Steuerberatung wie Bilanz und Buchhaltung.
Mein Tipp: Geht in ein Kommunikationscoaching!
Und denkt gut nach, wie ihr mit euren Klient:innen redet. Die Zeiten der Drohung sind vorbei – unsere Welt ist sensibler und emotionaler geworden.
Vertrauen ist das einzige Kapital, das wächst, wenn man es teilt.
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Euer Markus!

